Single Party
(Flirtgeschichte Single Party)
Da steht sie. Etwas schnippisch, arrogant schaut sie zu mir herrüber. Es ist ja nicht das erste Mal. Seit ein paar Wochen geht das schon so. Erst schaut sie mich an, dann schaue ich sie an, dann trennen sich unsere Blicke – und leider auch unsere Wege. Meistens schleppe ich betrunken eine andere ab. Sie geht oft alleine nach Hause. Ab und zu hatte sie auch mal einen Flirt. Nichts ernstes, gar nicht ihre Klasse. Hab ich direkt gesehen. Aber sie hat trotzdem geflirtet.
Weil kein anderer da war, wenn man gemein sein will. Ich weiß auch gar nicht, woran es genau liegt. Sie sieht ja nicht so wirklich hässlich aus, ansich ist sie auch recht hübsch. Zu hübsch schon fasst. Und dann dieser arrogante Blick. Nein, so trauen sich wirklich nur Vollidioten an sie ran. Ich bin keiner. Deshalb schaue ich auch immer nur. Schaue und gehe dann mit einer anderen nach Haus. Die ich mir schöngetrunken habe. Singlepartys sind ein hartes Leben, da kann man nicht direkt auf gut Glück die große Liebe finden. Viele Frauen sind Nieten. Schlampig oder mit Anhang oder mit kleiner großer eklatanter Macke. Putzfimmel, Ebay-süchtig und und und… Wer möchte denn sowas jeden Tag auf der Couch sitzen haben. Aber heute, mhm, heute ist es irgendwie anders. Heute könnte ich mal mein Glück versuchen, schließlich sitzen wir ja zusammen in einem Boot. Wir sind wohl beide die gescheitesten Personen hier und wissen das auch und sind zu arrogant, um jeweils den ersten Schritt zu tun. Aber ich bin ja der Mann, ich bin ja der, der zuerst anfängt. Trau dich, sage ich mir. Naja, als werde ich mal hingehen. Werde mal fragen, wie es ihr denn so geht, weil man kennt sich ja. ganz unverbindlich. Ganz locker. Immer schön locker bleiben. Und lächeln.
Da steh ich nun. Sie schaut mich wieder schnippisch an, ich lächle, es passiert nichts. Ich frage sie, was sie denn so macht und das ich sie schon öfters gesehen habe hier. Gut geht es mir, sagt sie. Und das sie sich prima amüsiert. War ja klar, keine Schwäche zeigen. Und immer schön weiterlächeln. Prima, sage ich. Dann kann ich ja eigentlich wieder gehen, denke ich. Aber heute ist ja der Tag. Mein großer Tag. “Trinken wir was zusammen?” “Ja”, sagt sie. Ich spendiere locker Sekt. Sekt macht lustig. Mal sehen, ob`s klappt.
Wir trinken jetzt schon seit einer Stunde Sekt und es passiert nichts. Gar nichts. Ich geb es auf. Sie lässt nicht locker mit ihrer arroganten Art und ich bin es langsam leid, vor ihr herzukriechen. Ich verabschiede mich für den Abend. Halb betrunken bin ich ja jetzt schon, jetzt muss ich nur noch eine passende Gefährtin suchen. Schnell habe ich diese auch gefunden, heißt Martina, ist 34 und frustriert. Und das auf allen Ebenen. Gut für mich, schlecht für sie, dass sie noch nicht weiß, wofür sie heute Abend für mich Mittel ist. Nach einer guten Stunde verschwinden wir zu ihr. Alles wie gewohnt, Quickie und dann später ab nach Hause. Sowas ist praktisch, da braucht man die Dame nicht eigenständig aus dem Bett zu werfen, sondern bestimmt selbst, wann genug ist. Also mache ich mich um halb sieben morgens auf den Weg in mein Bett. Martina schläft noch und merkt nicht, dass sie mich nie wieder sehen wird. Gut so. Peinlich nur, wenn man sich dann doch nochmal auf einer Single-Party über den Weg läuft. Im Flur stocke ich. Ich höre ein Geräusch. Aus dem Bad. Und dann passiert das Unglaubliche. Meine Flamme, meine Liebe, mein Herz von gestern Abend steht im Flur und schaut mich verdutzt an. “Du hier?” frage ich. “Ich wohne hier” , antwortet sie mir. Oh, mein Gott. Wieso passiert mir das nur? “Und was machst du hier?” fragt sie. “Soll ich ehrlich sein? Ich hab gerade deine Mitbewohnerin abgeschleppt. Aus sexueller Frustration natürlich. Viel lieber hätte ich natürlich mit dir den Abend verbracht, auch wenn du denkst, dass das jetzt eine ziemlich schlechte Ausrede ist.” Sie lacht. Sogar sehr. Wieso tut sie das?! “Mhm”, sagt sie, “also ich kann jetzt auch ehrlich zu dir sein, aber ich weiß nicht, ob dass so clever ist.” Ehrlicher als ich kann man gar nicht mehr sein, denke ich und bin gespannt. “Also, Martina ist, mhm, wie soll ich sagen, sie ist meine Freundin.” Ich schaue sie an und überlege mir verschiedene Definitionen von Freundin. “So Freundin, wie ich Freundin meine, also mehr als normale Freundin?” frage ich zaghaft. “Ja, genau”, sagt sie. Aha. Toll. Und wieso ist sie jetzt nicht eifersüchtig? Ich glaube, ich schaue gerade ziemlich blöd aus der Wäsche. “Und naja,” erzählt sie weiter, “manchmal vergucken wir uns in denselben Typen…”. Pause. Jetzt versteh ich gar nichts mehr. Aber ich muss auch gar nichts mehr verstehen, weil sie schon weitererzählt. “…und dann hat eine von uns das Vortrittsrecht. D.h. sie darf ihn erstmal alleine antesten und wenn der Kandidat gut ist, dann kommen wir beide ins Spiel.” Ich bin schockiert. Aber auch, mhm, pikant amüsiert. “Und wieso hat sie mich dann gehen lassen?” frage ich. “Weil ich dich dann erstmal nächste Woche abgeschleppt hätte – natürlich in deine Wohnung, damit nichts auffällt”, grinst sie. Ahja. Mhm, jetzt brauche ich nur noch Bedenkzeit. Wir schweigen uns an. Ich weiß nicht, was ich denken soll. Aber eigentlich, mhm, mit etwas Fantasie, was will ich mehr. Ich schaue ihr tief in die Augen und sage dann…”mhm, dann können wir ja jetzt zu dritt ausschlafen…”
