Einfach bezaubernd – oder: wenn vor Charme die Funken sprühen

Autor: Lucky Luke 13. März 2007 @ 14:37

Das Schönste rund um l’amour, wie die Liebe so verführerisch auf Französisch lautet, kommt aus dem Land der Liebeskönner und -kenner.

Auch der Charme, dem wir Deutschen seit dem 17. Jahrhundert verfallen sind. Ein Blick, eine Geste – und er wird zum Bel Ami. Ein Lächeln, ein Wort – und sie avanciert zur verführerischen Grande Dame.
Es ist klar: mit etwas Charme erobert man die Herzen dieser Welt – wenn man ihn hat.
Doch was genau macht diesen Zauber aus, der Herzen betört und Fantasien beflügelt?
Es gibt Eigenschaften, die gemeinhin als charmant gelten. Beispielsweise auf diese Art zu Lächeln, die zeigt: Mein Lächeln gilt nur dir. Oder ein Kompliment so zu formulieren, dass das Gegenüber merkt: Mir sind die liebenswürdigen Kleinigkeiten an dir aufgefallen. Oft genügt es schon so zuzuhören, dass deutlich wird: Mir ist wichtig, was du sagst.
Mit charmantem Verhalten lässt man eine Person wissen, dass man ihr gegenüber aufmerksam ist. Und genau diese ungeteilte Aufmerksamkeit macht den Charme so bezaubernd. Denn sie bekundet die höchste Bewunderung, zu der man fähig ist: Ehrerbietung.
Der Charme ist ein Relikt aus einer Zeit, als Galanen noch mühevoll um die Gunst ihrer Herzensdame werben mussten. Und wahre Edlefräulein nur jenen Ritter überhaupt in Betracht zogen, der neben Tapferkeit und feinen Sitten auch Gefühl zeigen konnte. Und sei es nur durch einen einzigen Blick, der verriet, dass er innerlich vor Begehren brannte. Der ahnen ließ, dass nur Anstand und Ehre ihn davon abhielten, sich ihr anders als durch das Dichten wohlgeformter Verse zu nähern.
Ehrerbietung zu zeigen, wurde damals hoch geschätzt – und bis heute hat sich daran nichts geändert. Auch wenn man heute dafür weniger oft viergezeilt Liebesschwüre mit Paarreim verfasst.

Das Tolle am Charme ist, dass man keine Schönheit sein muss, um ihn zu besitzen. Trotzdem sollte man sich nicht darauf verlassen, dass jedes vermeintlich charmante Werben vom Gegenüber auch als solches empfunden wird. Wenn der Werbende beispielsweise aussieht, als hätte ihn eine Mülltonne wieder ausgespieen, weil er nicht zum Interieur passte, stehen die Chancen für Weiterführendes im Allgemeinen schlecht.
Wer versucht, mit seinem Charme zu glänzen, ehe er sein Erscheinungsbild
vorteilhaft herauspoliert hat, kann von Glück sprechen, wenn er überhaupt angehört wurde. Ein ansprechendes Aussehen ist bereits ein Drittel der Miete: die anderen beiden sind Charme – und der persönliche Geschmack des Gegenübers. Der letztere spielt eine große Rolle dabei, was als charmant empfunden wird und was nicht. Worte, die das Herz der einen schmelzen lassen, findet eine andere nur schmalzig. Zusammengefasst: Charme ist, was gefällt.
Aber selbst wenn man als charmanter Mensch damit leben muss, nicht allen Geschmäckern gerecht werden zu können – mit ihm gewinnt man immer. Zwar nicht jedes Mal ein Herz, aber unter Garantie viele Sympathien.



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